Von Weib zu Weib – Competition my ass, baby

„Guck ma, wie fett die ist!“ – „Guck ma, wie dünn die ist, die ist doch magersüchtig!“ – „Voll die Schlampe, die geht mit jedem Kerl ins Bett!“ – „Die hält sich wohl für besser, blöde Kuh!“ – „Wie rennt die denn rum?“ – „Die kann auch nix, außer ihre Titten zeigen!“ – „Was hat die, was ich nicht hab?“ – „Was findet der an so einer Frau?“ – „Die achtet nur auf ihr Makeup und ihr Aussehen, die hat bestimmt nichts im Kopf!“ – „Die sieht aus wie eine Kampflesbe!“

Dass Frauen von Männern in Schubladen gesteckt und diskriminiert werden, ist schon ärgerlich. Dass Frauen dies einander antun, finde ich fatal! Es macht manchmal den Eindruck, dass viele Frauen einen Bruce auf ihrer Schulter sitzen haben, der ihnen „Competition, baby, Competition!“ zuflüstert. Aber wir sind hier nicht bei Deutschlands nächstem Topmodell! Wir müssen nicht fies und gemein zu anderen Frauen sein, um unseren Wert zu steigern! Wir befinden uns in keinem Wettbewerb! Wir sind keine Konkurrentinnen im Spiel des Lebens!

Watt muss, datt muss nich!

Ich spreche hier von Äußerungen, die eben dem Wettbewerbs-Glauben entspringen. Ich muss besser sein, ich muss schöner sein, ich muss den hübscheren Mann haben, ich muss dünner sein, ich muss besser gestylt sein, ich muss, ich muss, ich muss….

Man definiert sich selbst nur über das Aussehen, einen Mann oder den Job. Die eigene Unzufriedenheit, das eigene mangelnde Selbstbewusstsein, äußert sich dann in gemeinen Bemerkungen über andere.
Ich spreche hier nicht von Kritik! Ich kritisiere viele Verhaltensweisen von Frauen und werde dies auch noch häufig tun. Ich spreche von geistigem und verbalem Müll, der sich rein auf oberflächliche Aspekte bezieht, und bei deren Äußerung die Sprechende ihre eigene Existenz aufwerten will.

Wir sind mehr als nur…

Wir zeigen gern mit dem Zeigefinger und beurteilen anderen Menschen anhand eines Kriteriums. Aber die Fette ist mehr als nur fett! Die Dünne ist mehr als nur dünn! Eine Frau kann gleichzeitig hübsch und klug sein, diese beiden Attribute schließen einander nicht aus! Eine vermeintlich arrogante Frau kaschiert vielleicht nur ihre Schüchternheit. Und eine Schlampe ist lediglich eine Schlampe, wenn ihre Wohnung schlampig ist! (Was aber auch egal ist, weil man in der Wohnung ja nicht selbst leben muss.)

Ich erinnere mich an ein Lied aus dem Jahr 1998, in dem Brandy und Monica sich um einen Mann stritten! Er vergnügt sich mit beiden… kann oder will sich nicht entscheiden. Und die zwei treten in einen Wettbewerb um den Mann, der doch mit seinem Verhalten ganz offensichtlich keine der beiden verdient hat!
Er degradiert beide und die zwei scheinen zuerst so dämlich, dass sie sich irgendwie über die Zuneigung eines Mannes definieren. Wahnsinn! Zwei wunderschöne, tolle Frauen, die das eigentlich nicht nötig haben sollten, konkurrieren um einen Idioten!

Das Ende vom Lied…. Sie erkennen natürlich, dass der Mann es nicht wert ist, weil er ein verlogenes Arschloch ist! Anstatt sich zu streiten, verschwestern sie sich und halten zusammen. Yay! Ein Punkt für die Frauen!

Halt doch mal die Klappe, Bruce

Frauen sollten nicht miteinander konkurrieren! Wir sollten einander unterstützen, aufbauen, stärken und freundlich miteinander umgehen! Unsere unterschiedlichen Geschmäcker und Vorlieben sollten uns nicht davon abhalten, diese eine Ansicht zu teilen, dass wir auf derselben Seite stehen!
Wir müssen zusammenhalten, wenn der Feminismus weitergehen soll.

Im Vorfeld zu meinem Blog musste ich mir meine Konkurrenz anschauen. Im Feminismus gibt es, meiner Meinung nach, zwei dominierende Richtungen. Auf der einen Seite stehen die hochgradig intellektuellen Feministinnen, die alles sehr sachlich, seriös, rational und emotionslos aufarbeiten und vermitteln. (Männer nehmen Frauen häufig nicht ernst, wenn diese nicht sachlich auftreten.)
Auf der anderen Seite stehen die kämpferischen Feministinnen, die sehr emotional ihre BHs verbrennen und ihre Achselhaare, als Ausdruck ihrer Selbstbestimmtheit, bunt färben. (Diese Frauen werden von vielen Männern leider nicht ernst genommen und oft mit Schimpfworten versehen.)
Der Clou ist, dass mir beide Vorgehensweisen nicht entsprechen, aber dass ich sie nicht als Konkurrenz sehe. Wir alle wollen unterm Strich dasselbe! Ich stehe irgendwo in der Mitte, möchte mal emotional rumschreien und manchmal sachlich argumentieren… wie Männer das wahrnehmen, ist mir letztendlich total egal.
Ich lebe ja nicht, um deren Erwartungen und Ansichten zu entsprechen.

Irgendein äußerst gebildeter Mensch wird an dieser Stelle anführen, dass es ohne Konkurrenzdenken gar nicht geht, weil es in unseren Genen und der menschlichen Natur fest verankert ist. Überlebenskampf, bla bla bla.
Ja genau, ist der Sexualtrieb auch…und trotzdem fallen wir nicht fortwährend alle übereinander her. Wir sind doch Wesen mit einem Intellekt…und wissen uns zu beherrschen. Das Gleiche sollte für die Konkurrenz gelten.

Wie man dennoch zusammenlaufen kann

Wenn man aber dennoch konkurrieren muss, dann möge eine jede mit sich selbst konkurrieren. Steh im Wettbewerb zu deinem gestrigen Selbst… sei klüger als du es gestern warst, sei freundlicher, sei liebevoller, sei mitfühlender, sei fröhlicher, sei gesünder, sei stärker, sei emanzipierter,…

Wenn du also das nächste Mal einen Raum betrittst, eine Bar, einen Club, einen Hörsaal,… versuch doch all die anderen Frauen nicht als Konkurrentinnen zu sehen, sondern als Schwestern im Geiste und schrei allen in Gedanken ein „Ihr seid superklassetoll!“ entgegen!

P.S.: Damit keine Missverständnisse auftauchen: Ich finde Bruce eigentlich superklassetoll!

Ich freu mich auf eure Kommentare und Gedanken!

4 Gedanken zu „Von Weib zu Weib – Competition my ass, baby

  1. Sehr guter Beitrag, Branka! 🙂 Mein persönlicher Favorit ist ja auch „Du bist nicht, wie die anderen Frauen.“ Da wird es einem von der anderen Seite auch echt nicht leicht gemacht, das kriegt man so eingebläut. Seit ich das abgelegt habe, geht es mir auch einfach besser 😉

    • Vielen Dank, Natascha! 🙂 Naja…ist immer ne gute Taktik, damit sich die Frau ‚besonders‘ fühlt. Ist immer witzig dann zu fragen: Wieso? Wie sind denn die anderen Frauen deiner Meinung nach? Aber sehr schön, dass du das ablegen konntest! Du bist nen klasse Weiberhirn! 🙂

  2. Hi Branca!
    Für Deinen Beitrag zur LVQ hast Du – wie ich finde – sehr zu Recht viel Lob eingeheimst. Gut beobachtete und dann locker geschrieben. Ich konnte gar nicht anders, als bis zum letzten Wort zu lesen. Ich schließe mich den Lobgesängen gerne an.
    Beeindruckt hast Du mich aber mit diesem Text hier. Du sprichst mir aus dem Herz, aus der Seele! Ganz schlimm ist ja, dass die beiden, von Dir treffend charakterisierten, ‘Sorten‘ Feministinnen, sich untereinander nicht grün sind! Da denke ich nur: Hey, sisters, what’s gonig wrong with you??
    Ich wünsche Dir, dass Du mit Weiberhirn viele Frauen erreichst und beitragen kannst, diese auf die naheliegende Idee zu bringen, dass wir alle Schwestern sind.

    Your sister in mind!!!
    Katharina MzA

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