Wieso Grumpys die Welt besser machen

Ich liebe Grumpy!

Den stets grantig aussehenden Zwerg, der hinter den sieben Bergen wohnt und immerfort meckert, finde ich sehr viel besser als den fortwährend lächelnden, kleinen Dopey. Der war mir nämlich immer schon suspekt, und die Tatsache, dass er mehrfach durch das Fenster in Schneewittchens Häuschen steigt, um beim Hinausgehen einen weiteren Kuss zu ergattern, spricht Bände!

Grumpy dagegen ist ehrlich, ein Brummbär eben, aber ein ehrlicher und irgendwie doch herzlicher.

Mürrische Achtsamkeit

In meinem persönlichen Umfeld sind viele solcher Grumpys. Menschen, die häufig grummelig dreinschauen und gerne meckern… und ich liebe sie alle.
Denn maulen ist nicht gleich maulen! Und Grumpys haben in der Regel ein Herz aus Gold.

Das widerspricht sich? Mitnichten!

Ich kenne natürlich auch Leute, denen die Grumpy-Menschen tierisch auf die Nerven gehen, weil sie deren ewige Nörgeleien nicht verstehen. Aber was steckt eigentlich dahinter? Wo liegt der Unterschied?

Zunächst einmal dient die mürrische Schale nur als Schutzschild, denn Achtung: Grumpys sind sehr sensible und mitfühlende Wesen. Sie gehen sehr achtsam durch die Welt und bekommen viel mit, was andere einfach mal übersehen. Zudem ist ihr Empfinden für Gerechtigkeit äußerst ausgeprägt. Um nicht in jedem zweiten Moment in Tränen auszubrechen oder einen Tobsuchtsanfall zu bekommen, um sich Gefühle anderer vom Leibe zu halten, weil sie von diesen ergriffen wären, reagieren sie grimmig. Sarkasmus und Ironie dienen ihnen dabei häufig als Schwert und Lanze. Mal sind die Sprüche sicherlich unter der Gürtellinie, meistens jedoch recht belustigend und selten wirklich böse gemeint.
Kleiner Tipp: Immer auf die Mundwinkel achten oder das Glitzern in den Augen!

Jedes Murren hat einen Grund

Antoine de Saint-Exupéry, der Kerl, welcher den kleinen Prinzen erfunden hat, hat in seinem Buch „Wind, Sand und Sterne“ Folgendes geschrieben:

„Er trägt Mitverantwortung für alles, was lebt und was wird und woran er mitbauen soll, also im Rahmen seiner Arbeit für das Schicksal der Menschheit. Er gehört zu den Wesen, die sich nicht scheuen, ihre Wurzeln und Zweige weit auszubreiten. Mensch sein, heißt Verantwortung fühlen: sich schämen beim Anblick einer Not, auch wenn man offenbar keine Mitschuld an ihr hat; stolz sein über den Erfolg der Kameraden; seinen Stein beitragen im Bewusstsein, mitzuwirken am Bau der Welt.“  

So ähnlich nehmen auch die Grumpys diese Welt wahr, als zusammengehörig und verkettet. Ein jeder trägt seinen Teil der Verantwortung. Wenn man ihnen genau zuhört, bekommt man mit, worüber sie sich eigentlich aufregen. Wenn sie meckern, tun sie dies nicht, weil ihnen selbst ein Unrecht widerfahren ist, um sie selbst geht es gar nicht. Sie tun es, weil der Gegenstand ihrer Nörgelei grundlegende menschliche Verhaltensweisen betrifft.
Sie meckern über eine Welt, die viel zu viele unhöfliche, egoistische, ignorante und unfreundliche Individuen beheimatet. Sie nörgeln, weil sich so viele vor die öffnenden Bahntüren stellen, anstatt an die Seite. Weil so viele vor der Frau mit dem Kinderwagen in die Bahn steigen, anstatt ihr zu helfen. Sie meckern, weil so viele die ersten an der neuöffnenden Kasse sein wollen, weil sich so viele vordrängeln wollen, weil sie schubsen, rempeln, anderen die Türen vor der Nase zufallen lassen, anstatt die Türen auf zu halten. Sie reagieren grantig, weil so viele vergessen haben, dass man durchaus Danke, Bitte, Hallo und Auf Wiedersehen sagen kann und soll.

Grimmiger Balsam für die Welt

Denn sie selbst würden all das niemals tun. Grumpys sind erstaunlicherweise einige der höflichsten, charmantesten, ehrlichsten und freundlichsten Menschen, die es gibt. Und genau deshalb haben sie sich auch das Recht verdient, zu meckern.

Sie grüßen die Verkäuferin, den Postboten, den Busfahrer und wünschen einen schönen Tag, einen schönen Feierabend oder ein schönes Wochenende. Sie lassen anderen den Vortritt und stellen sich automatisch an die Seite einer Bahntür. Sie lassen ältere Menschen und Mamis mit Kindern oder Kinderwagen zuerst einsteigen oder helfen diesen dabei. Sie beachten genau, wer vor ihnen an der Reihe ist und lassen auch hin und wieder die vor, bei denen es bei der Bezahlung ihres Orangensaftes scheinbar um Leben und Tod geht…natürlich nicht ohne ironische Bemerkung.
Sie halten die Türe stets für andere auf, obwohl sie nur selten ein danke dafür vernehmen. Dafür rufen sie dann gerne laut: „Bitte, gern geschehen!“ hinterher. Sie bewegen sich tagtäglich in einer Welt, die von unfreundlichen und selbstbezogenen Idioten bevölkert ist…
und die Grumpys verstehen diese Verhaltensweisen nicht, weil sie zuallererst jedes Wesen mit Anstand und Würde behandeln.

Grumpy vs. echter Nörgler

Echte Nörgler, also Menschen, die ständig über jeden Scheiß meckern, tun dies aus anderen Gründen als Grumpys. Sie meckern einfach, weil sie innerlich zerfressen sind. Weil sie ihr unbefriedigendes Dasein anderen in die Schuhe schieben wollen. Weil sie selbst für sich das Zentrum des Universums sind, um das sich alles dreht, und alles andere ist dann halt scheiße. Sie nörgeln, weil sie Schönheiten nicht mehr erkennen können und weil sie sich selbst ungerecht behandelt fühlen. Es geht ihnen nicht um die Gemeinschaft an sich, sondern nur um ihre eigene Person. Die Mami mit dem Kinderwagen ist für sie genauso irrelevant wie die gestresste Bäckersfrau. Der entscheidende Faktor? Mitgefühl!

Grumpys sind extrem mitfühlend, echte Nörgler eben nicht. Allerdings fühlen die Grumpy-Menschen nicht mit den unhöflichen, unfreundlichen und ignoranten Idioten mit, weil sie sich in derlei Denken und in das daraus resultierenden Verhalten nicht hineinfühlen können. Um das zu kompensieren, reagieren sie mürrisch, was viele andere dann mit den echten Nörglern gleichsetzen. Schön blöd.

In einem Wartezimmer sitzen ein Idiot und 30 normale Menschen

Letztens musste ich zu einem Amt. Dass nicht alle den freundlich blickenden Sicherheitsmann begrüßen ist ja schon so eine Sache. Ich verstehe derlei Verhalten nicht, weil es für mich etwas Selbstverständliches ist, aber gut. Sein strahlender Blick als ihn ein Mensch, also ich, wahrnahm, erfreute mich im Gegenzug. Die Wartesitzreihe war lang, also setzte ich mich gemütlich hin und schlug mein Buch auf.
Man beachte: die Wartendenden dürfen sitzen, sie müssen nicht stehen!
Die Reihenfolge ist festgelegt, es kann sich auch niemand vordrängen. Also eigentlich alles ganz entspannt. Da wir Menschen gemütlich sind, ist die lange Reihe nicht nach jeder an die Reihe gekommenen Person einen Platz aufgerückt, so dass es am Anfang der Schlange zu mehreren freien Plätzen kam. Hinten war noch genug Platz, also weiterhin eigentlich alles entspannt.

Bis ein einzelner Mensch, der ein ganz frustriertes Wesen sein muss, anfing sich aufzuregen, wieso man denn nicht weiterrücken würde. In einem Raum von ca. dreißig entspannten Menschen, von denen einige nett plauderten und andere mit eigenen Gedanken beschäftigt waren, schaffte es ein Arschloch für Stress zu sorgen.
Wozu? Weder geht es dadurch schneller noch geht es irgendwem dadurch besser.
Ich konnte ihn nur fasziniert anstarren, weil mir sein Verhalten so vollkommen unverständlich war. Wir rückten also alle auf und der Idiot gab Ruhe.

Es gibt immer einen Idioten. Meistens trifft man diese Menschen an den Kassen dieser Welt. Die Frage „Können Sie nicht noch eine Kasse öffnen!“, geht mir mächtig gegen den Strich und ich kommentiere sie gerne mit: „Klar, die Dame kann sich bestimmt zweiteilen!“ Die Geschäfte sind unterbesetzt, die Kassiererin (oder auch der Kassierer) hat schon genug Stress, muss man sie als mitfühlender Mensch noch zusätzlich stressen und eine aggressive Stimmung im Geschäft aufkommen lassen?
Unterhaltet euch doch miteinander! Tauscht Rezepte oder Lebenserfahrungen aus! Zieht euch in euren Geist zurück und meditiert ein wenig! Nutzt doch die Zeit anstatt euch unnötig aufzuregen und andere mit in diesen geistigen Morast zu ziehen.

Gewitterwolken oder Sonnenstrahlen über dem Kopf

Mir gefällt die Idee der übertragenen Emotionen und Gedanken. Keine Ahnung, ob es dafür einen Fachausdruck gibt, aber ich nenne die Idee so.
Alles was wir denken und fühlen ist eine Art Energie, die sich überträgt. Wenn ich also gutgelaunt bin, überträgt sich das auf andere, ebenso meine schlechte Laune. Wir sind alle nur Menschen, ganz egal, wie schön oder reich oder was auch immer wir sind. Wir sollten also immer im Hinterkopf behalten, dass es keiner von uns leicht hat, denn jeder kämpft mit seinen eigenen Dämonen.
Nun glaube ich, dass positive Gedanken und Gefühle letztendlich stärker sind als die negativen. Und ich glaube, dass alles nach einem Kausalitätsprinzip funktioniert. Dazu gibt es auch so hübsch gedrehte Videos im Internet, wie Person A der Person B hilft, die dann Person C hilft, und so weiter.
Ich glaube, dass das im Kern tatsächlich so ist.

Wenn wir auf Antoine hören, dann trägt ein jeder dazu bei. Jeder trägt folglich die Verantwortung für sich selbst als auch für die Welt. Wenn ich also schlecht gelaunt durch die Gegend laufe, was hin und wieder vorkommt, versuche ich daran zu denken. Möglicherweise begegne ich einer Person mit z.B. gebrochenem Herzen, deren Lebenswille nur noch am seidenen Faden hängt. Wenn ich sie anlächele, gibt ihr das möglicherweise Mut weiterzumachen. Manchmal reicht ein einziges Lächeln oder ein freundliches Wort aus. Wenn ich sie jedoch anremple oder ihr einen genervten Blick zuwerfe, reißt der seidene Faden und die Person tut sich etwas Schlimmes an.

Das mag sich übertrieben anhören, aber was, wenn die Welt tatsächlich so funktioniert?
Man weiß es nicht.

Oder die alleinerziehende Bäckereifachverkäuferin, die einen ganz schlechten Tag hatte und ich begegne ihr als letzte Kundin des Tages… geht sie nach Hause und schreit ihr Kind an, oder nimmt sie es in den Arm und sagt ihm, wie lieb sie es hat? Quält das Kind am darauffolgenden Tag wegen der eigenen Traurigkeit ein anderes, schwächeres Kind in der Schule oder tut es das nicht, weil es sich geliebt fühlt? Solange ich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit weiß, dass die Welt nicht so funktioniert, kann ich es nicht ausschließen. Zudem mag ich den Gedanken, dass ein jeder zum Wohl der Welt beiträgt.

Es ist eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung. Den Mitmenschen freundlich zu begegnen, sie anzulächeln und eine positive Atmosphäre zu erzeugen, kostet nicht mehr Energie als das Gegenteil. Die Kosten sind also die Gleichen, der Nutzen ist jedoch weitaus größer.

Und jetzt einmal recht freundlich und mitfühlend

Eine unserer größten Schwächen ist unser Mitgefühl, denn es lässt uns zuweilen eine emotionale Entscheidung treffen, wo eine rationale eventuell angebracht wäre.
Es öffnet Betrügern die Türen und Herzen, und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Es führt uns manchmal in gefährliche Situationen, die hätten vermieden werden können.
Allerdings ist unser Mitgefühl auch eine unserer größten Stärken, denn es vereint uns und lässt uns liebevoller und verständnisvoller miteinander umgehen. Dies sind die Verhaltensweisen der Grumpys, welche der Welt guttun. Vielleicht braucht die Welt viel mehr liebevollere Entscheidungen, die auf einem gegenseitigen Mitfühlen basieren, einem Sich-hinein-Fühlen und der Erkenntnis, dass die Lage der Welt eine Reflexion unseres Umgangs miteinander ist.

Ich freu mich auf eure Kommentare und Gedanken!

4 Gedanken zu „Wieso Grumpys die Welt besser machen

    • Ich danke dir, lieber Peter!
      Wenn’s nicht von Herzen kommt, dann ist es auch nix Wahres! 😉
      Hoffe auf einen Kaffee im Oktober!
      🙂

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